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Sternhaufen


Im Bereich der Milchstraßenscheibe findet man viele Gruppen von Sternen, die man als offene Sternhaufen bezeichnet, weil die Sterne hier locker ("offen") angeordnet sind.

Wenn man mit einem Feldstecher den Nachthimmel im Bereich der Milchstraße durchmustert, fallen viele solch lockere Ansammlungen von Sternen auf. Selbst mit dem bloßem Auge erkennt man im Sternbild Stier ein kleines Grüppchen von 6 bis 9 Sternen - die berühmten Plejaden oder das Siebengestirn.

Ein weiteres Beispiel ist der berühmte Doppelsternhaufen h und chi (NGC 869 und NGC 884) im Sternbild Perseus - ein sehr schönes Beobachtungsobjekt für Feldstecher und kleine Teleskope.


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Der Doppelsternhaufen h und chi im Sternbild Perseus
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey


Wer ein lichtstarkes Spiegelteleskop besitzt, kann hunderte von offenen Sternhaufen am Himmel auffinden und beobachten. Der Formenreichtum der offenen Sternhaufen ist sehr groß: Einige bestehen aus über 200 in etwa gleichhellen Sternen, andere vereinigen nur einige helle aber dafür sehr viele lichtschwache Sterne, und wiederum andere bestehen nur aus einem Dutzend Sterne und fallen am Nachthimmel so gut wie gar nicht auf!

Bis heute sind rund 1.600 offene Sternhaufen katalogisiert, man schätzt jedoch die Gesamtzahl aller offener Sternhaufen in unserer Milchstraße auf rund 20.000!


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Der Sternhaufen M 35 im Sternbild Zwillinge
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey


Die Sterne eines offenen Sternhaufens gehören tatsächlich zusammen; sie nehmen ein gemeinsames Raumgebiet ein und bewegen sich auch in die gleiche Richtung mit einer gleich großen Geschwindigkeit. Somit fallen Sterne, die nicht zu einem offenen Haufen gehören, aufgrund ihrer anderen Eigenbewegung auf.

Wie entsteht eigentlich ein solcher Sternhaufen? Nun, Sterne entstehen in großen Gas- und Staubwolken, die in der Scheibe der Milchstraße im Bereich der Spiralarme in großen Mengen vorhanden sind. Wenn sich das Gas an verschiedenen Stellen stark verdichtet, entstehen dort junge Sterne. Da solche Gaswolken sehr riesige Ausmaße haben, entstehen darin immer ganze Gruppen von Sternen. Später, wenn sich das meiste Gas zu Sternen verdichtet hat, werden die jungen Sterne langsam sichtbar, und zwar in Form einer Gruppe oder genauer in Form eines offenen Sternhaufens!


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NGC 7789
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey


Offene Sternhaufen sind damit recht junge Objekte; die meisten haben ein Alter zwischen 100 und 800 Millionen Jahren, was astronomisch gesehen recht jung ist. Später, etwa nach 1 oder 2 Milliarden Jahren zerfällt der Haufen dann allmählich, denn die Schwerkraft der Sterne ist nicht groß genug um den Haufen für längere Zeiten zusammenzuhalten. Bei einigen Sternhaufen kann man auf langbelichteten Aufnahmen sogar noch Reste der Gaswolken erkennen, aus denen diese Sterne einmal entstanden sind, so auch bei den Plejaden im Sternbild Stier!

Das Studium der offenen Sternhaufen ist in der Astronomie von größter Bedeutung, sind doch die Sterne eines Haufens von annähernd gleichem Alter und gleicher chemischer Zusammensetzung. Einer der eifrigsten Beobachter von offenen Sternhaufen war Robert Julius Trümpler (1886-1956), ein Schweizer, der seit 1915 in Kalifornien tätig war. Vom ihm stammt ein berühmtes Klassifizierungsschema, nach dem er über 300 offene Sternhaufen katalogisierte und das auch heute noch vielfach angewendet wird. Es wird im folgenden beschrieben.



Klassifikationsschema nach J. Trümpler

A. Konzentration:

I starke Konzentration, Haufen hebt sich deutlich vom übrigen Sternhintergrund ab.
II etwas schwächere Konzentration als bei I; aber noch deutliches Abheben vom Hintergrund.
III der Haufen zeigt keine merkliche Verdichtung zum Mittelpunkt hin, hebt sich aber noch vom Hintergrund ab.
IV der Haufen hebt sich kaum vom Hintergrund ab und scheint eher eine zufällige Anhäufung von Sternen zu sein.

B. Helligkeitsverteilung:

1: alle Sternen haben die gleiche Helligkeit.
2: gleichmäßige Verteilung der Helligkeiten über den Beobachtungsbereich.
3: einige helle, viele schwache Sterne.

C. Sternreichtum:

p: (poor = arm) Haufen hat weniger als 50 Mitglieder.
m: (moderate = mäßig) Haufen hat 50 bis 100 Mitglieder.
r: (rich = reich) Haufen hat mehr als 100 Mitglieder.


Beispiele für die Konzentration

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I. Starke Konzentration II. Schwächere, aber immer noch deutliche Konzentration
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III. Ohne merkliche Konzentration zum Zentrum, aber noch Abheben von der Umgebung. IV. Eindruck zufälliger Anhäufungen im Sternfeld


Heute gibt es einige gute Kataloge offener Sternhaufen, wie z. B. den Lynga- oder Ruprecht-Katalog welche man beide im Internet kostenlos herunterladen kann.



Kataloge im Internet
  • Lynga
    Catalogue of Open Cluster Data, 5th edition, Lund Observatory, 1987
  • Ruprecht, Balaz, White
    Catalogue of Star Clusters and Associations, Budapest, 1981
  • Wilton S. Dias
    Katalog von 2002 (Dias W. S., Alessi B. S., Moitinho A., Lépine J. R. D.)

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