Im Sternbild Cassiopeiae, auch bekannt als das Himmels-W, gibt es einen eher unscheinbaren Stern mit der Bezeichnung Rho Cassiopeiae. Seine scheinbare Helligkeit liegt bei 4,5 mag. Um ihn deutlich zu sehen, sollte man schon einen Standort außerhalb vom Licht der Städte haben. Mit einem Feldstecher wird man ihn aber auch mitten in einer Großstadt deutlich erkennen.
Die Position von Rho Cassiopeiae (Pfeil) im Sternbild Cassiopeia
Kreis = 5 Grad, Sterne bis 7 mag
Karte erstellt mit Skymap
© Mario Lehwald
Kreis = 5 Grad, Sterne bis 9 mag
Karte erstellt mit Skymap
© Mario Lehwald
Ältere Entfernungsmessungen gaben einen Wert von 10.000 bis 11.000 Lichtjahren als Entfernung zu Rho Cassiopeiae an. Mit Gaia wurde dieser Wert wesentlich genauer, so dass als Entfernung zu Rho Cassiopeiae heute 3500 Lichtjahre angegeben werden. Wahrscheinlich wird sein Licht durch Gas- und Staubwolken stark abgeschwächt, die sich zwischen uns und dem Stern befinden.
Rho Cassiopeiae gehört zu einer Klasse sehr seltener Sterne - den sogenannten gelben Hyperriesen. Rho Cassiopeiae hat eine absolute Helligkeit von -9,6 Mag. Seine wahre Leuchtkraft ist eine halbe Million mal heller als die der Sonne!
Die Größe der Sonne im Vergleich zu Rho Cassiopeiae
kann hier gerade noch angedeutet werden
© M. Lehwald
Rho Cassiopeiae hat eine wechselhafte Spektralklasse, die zwischen F8 und K5 liegt. Damit leuchtet er gelblich. Seine Oberflächentemperatur liegt bei 6.000 Kelvin und ist der der Sonne recht ähnlich.
Rho Cassiopeiae hat etwa 40 mal mehr Masse als die Sonne. Solche massiven Sterne gehen so verschwenderisch mit ihrem Kernbrennstoff um, dass sie nur wenige Millionen Jahre leben, bevor sie als Supernova explodieren.
In der Zeit zwischen 1993 und 2002 haben Astronomen Rho Cassiopeiae mit dem einem Spektrographen am William Herschel-Teleskop auf der Kanareninsel La Palma detailliert untersucht. Dabei wurden einige Entdeckungen gemacht: Im Jahr 2000 ging die Oberflächentemperatur von Rho Cassiopeiae in wenigen Monaten von 7.000 auf 4.000 Grad zurück. Es wird vermutet, dass der Hyperriese eine umfangreiche Gashülle in den Raum geschleudert hat, dessen Masse etwa 10 Prozent der Masse der Sonne beträgt.
Seitdem pulsiert der Hyperriese Rho Cassiopeiae und die Astronomen erwarten einen neuen Materieauswurf. Aus älteren Beobachtungen hat sich ergeben, dass es auch in den Jahren 1893 und 1945 auf Rho Cassiopeiae zu starken Materieausbrüchen gekommen sein muß. Daher wird vermutet, dass sich solche starken Materieausbrüche bei Rho Cassiopeiae etwa alle 50 Jahre ereignen.
Hyperriesen werden an ihrem Lebensende nicht wie andere Sterne zu roten Riesen, sondern machen kurz vor ihrem Lebensende eine Phase als Leuchtkräftiger Blauer Veränderlicher Stern durch, bevor sie zu einer Supernova explodieren.
Vermutlich hat Rho Cassiopeiae aber etwas zuwenig Masse, um ein Leuchtkräftiger Blauer Veränderlicher Stern Stern zu werden, und macht stattdessen eine kurze Gelbphase durch, bevor er zu einer Supernova wird. Solche Gelben Hyperriesen sind auch sehr instabil, so dass Rho Cassiopeiae als ein ganz großer Kandidat für eine baldige Supernova gilt.
Die Entdeckungen, die man im Jahr 2000 gemacht hat, sind in Wirklichkeit schon vor 3.500 Jahren passiert, weil das Licht so lange braucht, um uns zu erreichen!
Würde Rho Cassiopeiae etwa alle 50 Jahre 0,1 Sonnenmassen durch Materieausbrüche verlieren, so würde das in 3.500 Jahren etwa 7 Sonnenmassen ausmachen. Es ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich, dass ein Stern soviel Masse verliert und das auch so andauernd. Die Astronomen gehen daher davon aus, dass Rho Cassiopeiae schon vor Zeiten als Supernova explodiert ist und heute gar nicht mehr existiert. Nur braucht diese Lichtbotschaft 3.500 Jahre zu uns...
Da niemand genau sagen kann, ob und wann Rho Cassiopeiae explodiert ist, kann man nur gespannt sein, wann dieses Ereignis am Himmel auftreten wird. Vermutlich wird Rho Cassiopeiae die nächste Supernova in der Milchstraße sein. Wenn diese Lichtbotschaft hier ankommt, wird Rho Cassiopeiae auf jeden Fall als hellster Stern am Himmel aufleuchten und sogar am Taghimmel zu sehen sein.
So würde Rho Cassiopeiae am Himmel
als Supernova aufleuchten!
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© M. Lehwald
Katalogbezeichnungen | |
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Beyer: | ρ Cassiopeiae |
Flamsteed: | 7 Cassiopeiae |
Bonner-Durchmusterung: | BD +56° 3111 |
Bright-Star Katalog: | HR 9045 |
Henry-Draper Katalog: | HD 224014 |
SAO-Katalog: | SAO 35879 |
Hipparcos: | HIP 117863 |
Tycho-Katalog: | TYC 4009-2605-1 |
Rho Cassiopeiae | |
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Rek. 2000: | 23 54 23 |
Dek. 2000: | +57 29 57,8 |
Scheinbare Helligkeit: | 4,50 mag (veränderlich zwischen 4,10 und 6,2 mag) |
Absolute Helligkeit: | -9,6 Mag |
Farbindex U-B: | 1,12 |
Farbindex B-V: | 1,22 |
Parallaxe: | 0,00028" |
Radialgeschwindigkeit: | -54 km/sec |
Eigenbewegung Rek.: | -0,00448" pro Jahr |
Eigenbewegung Dek.: | -0,00373" pro Jahr |
Entfernung: | 3.500 Lichtjahre |
Spektralklasse: | F8-K5Ia-0 |
Leuchtkraft: | 550.000 x Sonne |
Masse: | 40 x Sonne |
Radius: | 450 x Sonne |
Temperatur Oberfläche: | 6.000° Kelvin |