Den meisten ist gar nicht bewußt, wo sie wirklich leben. Sie kennen nur die Oberfläche der winzigen Erde mit ihrem Alltagstrubel und für sie ist die Welt spätestens beim Mond oder bei der Sonne zu Ende.
Wie es wirklich aussieht, soll dieser kleine Bericht kurz darstellen. Auch wenn er recht kurz ist, aber alleine für dieses Wissen mußte die Forschung einen sehr langen Weg gehen.
Die Sonne ist der erdnächste Stern (23.05.2005)
© Mario Lehwald
Unsere Sonne ist ein gelber Zwergstern innerhalb der Milchstraße, der von 8 größeren Planeten umkreist wird:
Als Entfernungsangabe im Weltall hat sich das Lichtjahr eingebürgert. In einer Sekunde legt das Licht fast 300.000 Kilometer zurück. Nach einem Jahr hat es fast 10 Billionen Kilometer zurückgelegt. Diese Streckte nennt man 1 Lichtjahr. Licht ist gleichzeitig das schnellste im leeren Raum. Jegliche normale Materie kann niemals auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. 99,9 Prozent sind zwar noch möglich, aber so sehr man sich auch anstrengen mag, er ist einfach nicht zu schaffen, dieser letzte Dezimalpunkt.
Der uns nächste Stern - Alpha Centaurus
dessen Licht aus 4,3 Lichtjahren Entfernung herübergrüßt.
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey
Der der Sonne am nächsten liegende Stern ist der Alpha Centaurus. Er ist 4,3 Lichtjahre von uns entfernt. Allerdings kann man ihn nur von der Südhalbkugel der Erde aus sehen. Alpha Centaurus ist in Wirklichkeit kein Einzelstern, sondern ein Zweifachsystem. Zwei gelbe Zwergsterne, die mit unserer Sonne vergleichbar sind, umkreisen sich hier in etwa 80 Jahren.
Alle Sterne, die wir am Nachthimmel sehen, gehören zur Milchstraße. In klaren und dunklen Nächten fern vom Licht der Städte können wir die Milchstraße als schimmerndes Band sehen, das sich quer über den Himmel erstreckt.
Die Milchstraße ist eine gewaltige Ansammlung von etwa 100 Milliarden Sternen - gewissermaßen eine Großstadt aus Sternen. Sie hat die Form einer flachen Scheibe, die in der Mitte etwas dicker ist als am Rand. Der Durchmesser dieser Scheibe beträgt etwa 120.000 Lichtjahre!
Die Milchstraße von außen betrachtet
© Mario Lehwald
Die Milchstraße wird auch als Galaxis bezeichnet. Könnte man die Scheibe der Milchstraße von außen betrachten, würde man ihre Spiralarme sehen. Die Milchstraße ist eine Spiralgalaxie, genauer eine Balkenspirale.
Die Spiralarme sind Orte, wo das interstellare Gas sich verdichtet und es zur Sternentstehung kommt. Durch das Licht junger und blauer Sterne wird das Gas zum Leuchten angeregt.
Wo befindet sich unsere Sonne in der Milchstraße? Sie befindet sich im Randbereich der Milchstraße, etwa 30.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt am Rande eines Spiralarmes, den man als Orion-Arm bezeichnet.
Am südlichen Sternenhimmel kann man zwei kleine Begleiter unserer Milchstraße sehen: Die beiden Magellanschen Wolken. Sie sind etwa 180.000 Lichtjahre entfernt und enthalten je einige Millionen Sterne.
Unsere Milchstraße ist nicht die einzige im Universum. In einer klaren Nacht kann man mit einem Feldstecher im Sternbild Andromeda einen nebligen Fleck ausmachen. Das ist die große Andromedagalaxie M 31, unsere Nachbarmilchstraße im Universum. Sie ist 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und ebenfalls wie die Milchstraße eine Spiralgalaxie, allerdings etwas größer als diese. In der Andromedagalaxie sind fast 200 Milliarden Sterne vereint.
Unsere Nachbarmilchstraße - die Andromedagalaxie M 31
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey
Man bezeichnet Milchstraßen oder Galaxien gelegentlich auch als Welteninseln, weil Sterne und Planeten nur in ihnen vorkommen.
Unsere Milchstraße und die Andromedagalaxie
In annähernd maßstabsgerechter Größe und Abstand.
© Mario Lehwald
Milchstraßen oder Galaxien kommen nicht einzeln im Universum vor, sondern in Form von Gruppen oder Haufen. So bildet unsere Milchstraße zusammen mit der Andromedagalaxie M 31 und der Spiralgalaxie M 33 im Sternbild Dreieck eine kleine Galaxiengruppe, die man die Lokale Gruppe nennt.
Annähernd maßstabsgerechte Verteilung
der Galaxien in der Lokalen Gruppe
© Mario Lehwald
Der Durchmesser der Lokalen Gruppe liegt bei etwa 10 Millionen Lichtjahren. Neben den drei genannten großen Galaxien enthält die Lokale Gruppe eine Reihe kleinerer Zwerggalaxien. Insgesamt sind etwa zwischen 30 bis 40 Mitglieder bekannt.
Die Triangulumgalaxie M 33,
das drittgrößte Mitglied der Lokalen Gruppe
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey
Allerdings ist die Lokale Gruppe nicht die einzigste Galaxiengruppe im Universum. Generell spricht man bei wenigen Mitgliedern von einer Galaxiengruppe und bei vielen Mitgliedern (über 50) von einem Galaxienhaufen.
Die uns nächste Galaxiengruppe ist die Maffei-Gruppe in einer Entfernung von 10 Millionen Lichtjahren. Eine weitere nahe Galaxiengruppe in 12 Millionen Lichtjahren Entfernung ist die M 81-Gruppe im Sternbild Großer Bär.
Die M 81-Galaxiengruppe
Ganz links NGC 3077, nahe der Mitte M 81 und oben M 82
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey
Im Sternbild chemischer Ofen am Südhimmel finden wir in einer Entfernung von 60 Millionen Lichtjahren den nächsten größeren Galaxienhaufen, den Fornax-Haufen. Er enthält einige Dutzend Galaxien. Und im Sternbild Jungfrau liegt der große Virgo-Haufen, der etwa 2.500 Galaxien in sich vereint!
Zentraler Bereich des Virgo-Galaxienhaufens
Links unterhalb der Bildmitte die elliptische Riesengalaxie M87,
rechts der Bildmitte die Galaxien M 86 und M 84
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey
Man hat herausgefunden, das die Galaxienhaufen nicht gleichmäßig im Universum verteilt sind, sondern ebenfalls Ansammlungen bilden, sogenannte Superhaufen. So gehört unsere Lokale Galaxiengruppe zu einem Superhaufen, den man den Lokalen Superhaufen nennt.
Der Lokale Superhaufen oder Virgo-Superhaufen
© Mario Lehwald
Im Zentrum des Lokalen Superhaufens liegt der große Virgohaufen, der durch seine enorme Masse alle anderen Galaxien im Lokalen Superhaufen anzieht. Unsere Lokale Galaxiengruppe befindet sich am Rand des Lokalen Superhaufens.
Der uns am nächsten liegende Superhaufen ist der Hydra-Centaurus Superhaufen. Er wird am irdischen Himmel allerdings etwas vom Band der Milchstraße verdeckt. Wie man heute weiß, bewegt sich unser gesamter Lokaler Superhaufen und damit auch unsere Milchstraße auf den Hydra-Centaurus Superhaufen zu.
Ausschnitt aus dem Hydra-Centaurus-Superhaufen (Abell 3574)
Ausschnitt aus dem POSS
Quelle: Digitized Sky Survey
Die Superhaufen sind allerdings keine kugelförmigen Ansammlungen von Galaxienhaufen, sondern ziehen sich in Form von langen Ketten, ähnlich einer Wabenstruktur, durch das Universum.
So ähnlich sieht die Verteilung
der Galaxienhaufen im Universum aus
© Mario Lehwald
Zwischen den Superhaufen gibt es riesige Leerräume, die man Voids nennt. Superhaufen haben Durchmesser von 100 Millionen Lichtjahren und mehr!
Und damit wird unsere Stellung gänzlich klar: Der größte Teil des Universums ist dunkler leerer Raum. Sterne und Planeten gibt es hier nicht. Wie Waben ziehen sich Ketten von Superhaufen aus Galaxien durch den riesigen leeren Raum. Sterne und Planeten treten nur innerhalb von Galaxien auf.
Irgendwo am Rande dieser Wabenstruktur liegt unser Lokaler Superhaufen und an seinem Rand die Lokale Galaxiengruppe, wo sich die Milchstraße befindet. Und irgendwo am Rande der Milchstraße befindet sich ein gelber Zwergstern, den wir Sonne nennen, und auf deren dritten Planeten befinden wir uns gerade und denken über das Universum nach....